Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Frauen verdienen durchschnittlich 23% weniger als ihre männlichen Kollegen. Mit dieser Bilanz ist Deutschland im europäischen Vergleich auf dem siebtletzten Platz. Dagegen sind 70% der Beschäftigten im Niedriglohnsektor weiblich, aber nur 12% der Aufsichtsratssessel der großen Dax-Unternehmen werden von Frauen besetzt.

Das klingt alles nicht danach, als könnten Frauen sich hierzulande auf dem vermeintlich Erreichten ausruhen. Es gibt noch immer viel zu tun und deshalb folgt nicht einmal einen Monat nach dem Internationalen Frauentag am 8. März nun der Equal Pay Day am 26. März. Dieser Tag markiert den Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Die oben erwähnten 23%, die Frauen in Deutschland durchschnittlich weniger verdienen als Männer, bedeuten also, dass Frauen bis Ende März arbeiten, um das Gleiche zu haben, auf das ihre Kollegen schon zu Silvester anstoßen konnten. Klingt ungerecht – ist auch so!
Frauen verdienen 100%!
Grüne Frauenpolitik hat sich zum Ziel gesetzt, dafür zu kämpfen, dass es keine ungerechten Lohnunterschiede mehr zwischen Frauen und Männern gibt. Darüber hinaus sehen wir die Einführungen eines Mindestlohnes als einen wichtigen Beitrag, die eigenständige Existenzsicherung von Frauen zu fördern. Denn 70% der Beschäftigten im Niedriglohnsektor sind weiblich. Dazu gehört aber auch eine Neubewertung frauentypischer Berufsbilder. Noch immer entscheiden sich nämlich viele Frauen für sog. „klassische Frauenberufe“, die sich zumeist besonders durch schlechte Bezahlung und schlechte Aufstiegschancen auszeichnen.
Doch auch wenn Frauen sich auf den Weg in die Chefetagen gemacht haben, stehen sie auch hier vor Problemen. Eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergab, das gerade einmal 2,5 Prozent der Vorstandsmitglieder der 200 größten deutschen Unternehmen einen weiblichen Vornamen haben. Und unter den Vorsitzenden finden wir gar nur eine einzige Frau: Petra Hesser beim Möbelhaus Ikea Deutschland.
Dass ausgerechnet der Deutschen liebster Möbelverkäufer aus Schweden eine Frau als Vorsitzende hat, überrascht wenig, sind uns doch unsere europäischen FreundInnen in Skandinavien gefühlte Lichtjahre beim Thema Frauenförderung voraus. Während Familienministerin Schröder sich weiterhin gegen eine gesetzliche Quote für die Privatwirtschaft sträubt, hat Norwegen schon 2008 Nägel mit Köpfen gemacht und eine 40%-Quote für Aufsichtsräte per Gesetz festgeschrieben. Anders, als man hierzulande zu erwarten scheint, ist die Wirtschaft Norwegens durch das verstärkte Eingreifen von Frauen nicht den Bach runter gegangen.
Und doch gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Wenngleich schwarz-gelb Frauenpolitik offensichtlich durch die eine oder andere, mehr oder weniger sinnvolle, familienpolitische Maßnahme abgearbeitet sieht, geht die Telekom mit gutem Beispiel voran. Das Unternehmen verpflichtete sich selbst auf eine Erhöhung des Frauenanteils in den eigenen Führungspositionen. Und um die vielgepriesene Freiwilligkeit, auf die auch Frau Schröder setzt, Lügen zu strafen, empfiehlt der Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberg der Politik, sich mehr zu emanzipieren. Freiwillige Maßnahmen zur Frauenförderung hätten nicht den gewünschten Effekt gehabt, weil sich die alten „Old-Boys-Netzwerke“ und Hierarchien sich über die Jahre und Jahrzehnte zu stark eingeschliffen hätten. Heißt im Klartext: Deutschland braucht endlich ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft! Und nicht mal die sträubt sich mit der Vehemenz der Politik dagegen. Kluge Ökonomen haben längst erkannt: Die Quote ist richtig für Frauen und die Quote ist richtig für die Wirtschaft, denn mehr Frauen in Führung steigern auch den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.